Erster Hanf-Shop der Region


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Bericht von pnp.de

Ein spezielles Garten-Center haben zwei Passauer Unternehmer gegründet: Direkt neben der B85 bei Tiefenbach (Landkreis Passau) verkaufen sie in einer Lagerhalle fast alles, was für den Anbau und Konsum von Cannabis hilfreich, aber trotzdem völlig legal erhältlich ist.

Obwohl Besitz, Handel und Anbau der weichen Droge in Deutschland verboten sind, haben sich vor allem in Großstädten in Norddeutschland bereits viele sogenannte “Growshops” für Kleingärtner mit besonderen Ansprüchen etabliert. “In unserer Region gab es so etwas bislang noch nicht”, sagt Ümit Lässig (36). Er fügt schmunzelnd hinzu: “Nachdem das Thema Legalisierung von Cannabis aktuell wieder in aller Munde ist, sahen wir hier eine Marktlücke, die wir schließen wollten, bevor es ein anderer tut.”

Stammkunden haben Erweiterung des Sortiments angeregt

Der gebürtige Stuttgarter und Diplom-Ingenieur der Stadtplanung steht schon seit einiger Zeit in Kontakt mit Matthias Breitenfellner (24) vom Geschenke- und Deko-Shop Geko in der Brunngasse in Passau. Dort gibt es schon länger die auch bei Cannabis-Rauchern beliebten Bongs und Wasserpfeifen. Als “Lässig & Breit GbR” produzierten und verkauften die beiden zudem wasserdichte Boxen für Tabak oder andere Rauchwaren, die auch in ihrem Online-Shop erhältlich sind.

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“Auf Anregung von Stammkunden haben wir dann unser Sortiment erweitert − allerdings an einem anderen Standort”, erzählt Matthias Breitenfellner. Seit etwa einem Monat betreiben die beiden nun den ersten Growshop der Region im “Geko gARTen”. In der Lagerhalle neben der B 85 bei Tiefenbach gibt es neben dem bisherigen Angebot an hochwertigen Möbeln und Dekoartikeln aus Teakholz auch Blumenerde, Dünger, Mini-Gewächshäuser, Beleuchtungen − und andere Artikel, die Herz und Lunge mancher Zeitgenossen erfreuen.

Keine Tipps zum Cannabis-Anbau

Auch Samen für allerlei exotische Pflanzen wie Stevia gibt es dort − aber keine für Cannabis. “Die sind bei uns genauso wie die ganze Hanfpflanze illegal”, erklärt Matthias Breitenfellner. Und wer persönliche Beratung zum Thema Cannabis-Anbau will, erntet nur ein Schweigen. “Wir dürfen die Ausstattung zwar völlig legal verkaufen, aber wenn wir Tipps geben, wie man damit Unsinn anstellt, wäre das Beihilfe zu einer Straftat”, sagt Lässig. Kurios wirkt daher eine andere Ecke im Growshop: In einem Bücherregal finden sich neben Wälzern über die Zucht von Orchideen und anderen Zierpflanzen auch Werke wie “Cannabis richtig Anbauen” oder “Backen mit Haschisch”. “Das ist erlaubt, weil das in Deutschland unter die Informationsfreiheit fällt”, sagt Lässig.

Nach eigenen Angaben verkaufen die beiden Jung-Unternehmer − auch um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein − ihre Garten-Utensilien nicht an Kunden, die offen zugeben, dass sie damit Drogen anbauen wollen. Was die anderen Leute mit den bei ihnen gekauften Waren anstellen, sei deren Sache. Ein legaler Einsatz ist schließlich auch möglich: “Ich habe mir in meiner Altstadtwohnung eine kleine Ganzjahres-Plantage für Tomaten angelegt”, erzählt Ümit Lässig. Und so mancher Geko-Kunde kaufe neben Teakholzmöbeln auch Erde und Dünger für seine teuren Bonsais.

Dass sie selbst für die Legalisierung von Cannabis sind, daraus machen die Jung-Unternehmer aber keinen Hehl. Sie sehen die Pflanze nicht als “grünes Teufelszeug”, sondern sogar hilfreich: “In unserem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es Leute, die schon Hodenkrebs oder Nierenversagen hatten. Sie würden lieber Cannabis nehmen, anstatt sich täglich Tabletten einzuwerfen”, sagt Lässig. Und auch aus geschäftlicher Sicht dürfte eine Legalisierung ihn und seinen Geschäftspartner freuen. Aber konsumieren die beiden eigentlich selbst? “Nein, das könnten wir uns nicht erlauben. Damit würden wir unser Geschäft vernichten”, sagt Breitenfellner. Denn selbst im Geko in Passau, wo “nur” Bongs und Wasserpfeifen verkauft werden, gibt es oft unangekündigten Besuch von der Polizei.

Stichwort: Legalisierung
Die Legalisierung von Cannabis war kürzlich auch Thema bei einer Diskussionsrunde an der Uni Passau. Strafrechtler Prof. Dr. Holm Putzke sagte dabei, dass es schon in wenigen Jahren eine kontrollierte Freigabe in Deutschland geben könnte. Vorteile wären beispielsweise, dass weniger Geld in die organisierte Kriminalität fließt. Auch Arzt Dr. Hans Flatter würde eine Legalisierung begrüßen − sie erweitere die Palette der schmerzlindernden Medikamente.

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