Drogenbeauftragte Mortler gegen Cannabis-Freigabe: unhaltbare Behauptungen


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Im Grunde ist das, was die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) zum Thema Cannabisfreigabe absondert, kaum einen Kommentar wert. Allerdings sind die Behauptungen generell so unhaltbar und falsch, dass sie geeignet sind, uninformierte Menschen noch mehr zu verwirren und zu ängstigen.

So gehe ich im Folgenden auf die Argumentation der Bundesdrogenbeauftragten aus Sicht der Piratenpartei ein:

»Cannabis ist nach wie vor die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Droge.«

Richtig, Frau Mortler. Weil die Menschen das wollen. Illegal ist es nur, weil Politikerinnen und Politiker wie Sie dies verbieten und bestrafen. Sie blenden die Tatsache aus, dass »viele Erwachsene« eine relevante Bevölkerungsmasse darstellen, auf die Sie vielleicht als gewählte Volksvertreterin hören sollten.

»Eine Legalisierung von Cannabis wäre ein völlig falsches Signal und würde diesen Trend noch verstärken.«

Nennen Sie mir bitte ein Land, in dem es nach einer Freigabe zum Anstieg des Konsums gekommen ist.

Genau. Das können Sie nicht.

Jedes, wirklich jedes Land, in dem Cannabis zum Konsum freigegeben wurde, hat das Gegenteil von dem, was Sie behaupten, festgestellt. Der Konsum steigt eben nicht an, sondern stagniert oder geht zurück. Was zunimmt: Der Gebrauch von Medizinalhanf. Diese Unterscheidung sollte Ihnen als Bundesbeauftragte jedoch möglich sein.

Also wäre es doch vernünftig zu akzeptieren, dass Bürgerinnen und Bürger Cannabis konsumieren, ob das nun verboten ist oder nicht. Sie reden der Kriminalisierung dieser Bürgerinnen und Bürger das Wort und verurteilen ohne jede Substanz, Frau Mortler: Sie vertreten nicht das Volk. Wen dann?

Sie hatten dem Hanfverband vorgeworfen, auf schäbige Art und Weise mit den Ängsten der Menschen zu spielen. Sie tun genau das, indem Sie wieder und wieder die Mär von den kiffenden Jugendlichen, die ja geschützt werden müssen, erzählen. Die jungen Leute werden durch das Cannabisverbot nicht geschützt – im Gegenteil! Politikerinnen und Politiker wie Sie schaffen durch Verbote einen Schwarzmarkt, der von der organisierten Kriminalität beherrscht wird. Diese beachtet keinen Jugendschutz, kein Reinheitsgebot, dort findet man kaum Menschen mit moralischen Werten – das ist doch das Problem.

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Jugendliche bekommen so ihren Stoff ohne Alterskontrolle, werden an problematischere Substanzen herangeführt und haben so keine Ahnung, was sie konsumieren bzw. woher es stammt. Zusätzlich werden diese jungen Leute noch bestraft, wenn man sie dabei erwischt. Wobei soll das denn bitte helfen, Frau Mortler? Welche Art von »Schutz« soll das sein? Solche Äußerungen sind sinnfrei und kontraproduktiv. Sie haben ihren Job verfehlt.

Wir hoffen sehr, dass nur wenige Eltern etwas auf Ihre Behauptungen geben und stattdessen auf Steffen Geyer, Autor und Hanfaktivist, hören:

»Die allermeisten Sportarten sind gefährlicher als Cannabis zu konsumieren.«

Geballte und seriöse Informationen zum Thema liefert unsere Matinée. Besorgte Eltern mit wenig Zeit gehen bitte zu Minute 30.00 und haben nach zweieinhalb Minuten alle nötigen Informationen. Mit einer Freigabe plus ordentlicher Gesetzgebung wären Kontrollen der Qualität und Herkunft sowie ein effizienter Jugendschutz möglich – wie bei Alkohol und Tabak. Frau Mortler, wie genau hilft Ihre Weigerung, diese Tatsachen zu akzeptieren den Menschen, insbesondere den Jugendlichen, die Sie vorgeben schützen zu wollen?

»Alkohol gehört im Gegensatz zu Cannabis zu unserer Kultur.«

So, oder so ähnlich, sollen Sie sich geäußert haben. Es fällt mir schwer, das zu glauben. Sie sind Mitglied der CSU, einer urbayrischen Partei, und sollten daher wissen, dass Hanf bis in das letzte Jahrhundert hinein ebenso fester Bestandteil der deutschen Kultur war. Ein alltäglicher Rohstoff und ein billiges Genussmittel mit leichter Rauschwirkung. Das Kraut, das am Wegesrand wuchs. Bekannt als »Knaster« wurden die Blüten des zur Herstellung von Hanfseilen gebräuchlichen Hanfs in der Pfeife geraucht. Hanf ist eine Kulturpflanze – ohne Zweifel.

Auch in Bayern gibt es Dörfer, die bis zur Prohibition von Hanf hauptsächlich vom Hanfanbau lebten. Nachzulesen ist dies in dem Buch »Von Hanf ist die Rede« des Autors Hans Georg Behr. Ein Besuch im Hanfmuseum Berlin würde Ihre eklatanten Wissenslücken schnell füllen. Wir laden Sie, Frau Mortler dringend ein, diese Gelegenheit zur Fortbildung wahrzunehmen. Sie verharmlosen die unbestritten fatalen Folgen des Alkoholkonsums, mit deutschlandweit pro Jahr etwa 74.000 Toten, und dämonisieren eine sanfte Alternative, die mindestens ebenso Kulturbestandteil in diesem Lande ist wie Schnaps. Darauf einen Jägermeister!

Die Piratenpartei fordert die legale, kontrollierte Freigabe von Cannabis an Erwachsene für den Konsum nach eigenem Ermessen und zu medizinischem Nutzen. Vorhandene Gesetze, wie das Tabakgesetz, könnten ohne viel Mühe angepasst werden, beinhalten den Jugendschutz und Erwachsene könnten bis zu 40 Pflanzen für den Eigenbedarf legal anbauen.

Herstellung und Vertrieb werden zusätzlich geregelt, wobei wir wenige, klare Regelungen einem Bürokratiemonster, wie in dem von den Grünen vorgeschlagenen, abgelehnten Cannabiskontrollgesetz, vorziehen. Eine Qualitätskontrolle und Jugendschutz wie zum Beispiel bei hartem Alkohol, sowie Abgabestellen mit geschultem Personal, die das mit Alterskontrollen absichern, würden zusätzliche Sicherheit schaffen und mündigen Konsumenten helfen, ihren Konsum und das konsumierte Gut sicher einschätzen zu können.

Das wäre hilfreich. Alles andere ist Quatsch.

»Hanf ist kein Plutonium.«

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